Donnerstag, 15. Mai 2014
Urlaub auf Bohrer-Bohrer
Was das Landeseinkommen neben Tourismus, Finanzen und Landwirtschaft ergänzt, sind bescheiden vorhandene Industrie und Bodenschätze.
Ein unübersehbares Zeichen dafür ist die Bohrinsel, die derzeit im Hafen von Valletta vor Anker liegt. Vermutlich wird sie gerade gewartet und für neue Einsätze vorbereitet. Gleich ums Eck von der Marsa Power Station steht sie fast zum Greifen nah. Dabei lässt sich nur in etwa erahnen, wie es sein muss, für mehrere Wochen darauf zu Leben und zu Arbeiten, was gewissen Inseraten zufolge ein Traumjob sein soll.
Ist die Bohrinsel irgendwann wieder einsatzbereit, hat sie es vermutlich nicht weit zum nächsten Bohrloch. Bei gutem Wetter kann man bspw. vom Panoramapunkt an der Blauen Grotte (im Südwesten) den Blick Richtung Horizont richten und wird dabei mehr als nur eine Bohrinsel erblicken können. Sozusagen in Sichtweite des Festlandes wird erfolgreich nach Öl gebohrt. Auch wenn ich noch nichts von einer Raffinerie in Malta mitbekommen hätte, so dürften die Autofahrer davon profitieren und erst kürzlich hat die Regierung Preisobergrenzen für Benzin und Diesel eingeführt, die sogar etwas niedriger lagen als die der jüngeren Vergangenheit.
Dienstag, 13. Mai 2014
Mispelgelispel
Das die Saison der fantastischen Erdbeeren so langsam zu Ende geht, merkt man an den steigenden Preisen eben jener. Doch der Frühling ist warm und der Sommer naht, so dass die nächsten Sorten langsam anstehen. Die Wassermelone ist noch etwas teurer, weil ihre Zeit erst kommt.
Dafür türmen sich jetzt die Schälchen mir fleckigen, orangefarbenen, mal mehr und mal weniger golfballgroßen Früchten darin. Die Malteser nennen sie Nespli, doch Google will mir einreden es wäre Nusspli.
Ein paar Suchen später kommt man dahinter, dass sie richtigerweise Nespoli genannt werden und unter dem Begriff Eriobotrya japonica, japanische Wollmispel oder auch Loquat geläufig sind. Ich kann mich nicht erinnern, jemals Mispeln verkostet zu haben. Bis heute.
Und dann lese ich bei Wikipedia, dass es sich gar nicht um eine echte Mispel im botanischen Sinne handelt.
Der Geschmack ist auch pflaumiger und ruft Erinnerungen an das wach, was beim China-Mann ausgeschenkt wird, wenn die Rechnung bezahlt ist.
Die glatten kleinen Kerne flutschen beim Aufschneiden durch die halbe Küche, doch einige von Ihnen werden demnächst in einem Brandenburger Beet meiner Wahl verschwinden.
Eine ältere australische Dame, die das erste Mal nach Malta kam und vor sich auf dem Schoß ein Schälchen Wollmispeln wie einen Schatz behütete, erzählte mir auf unserer gemeinsamen Busfahrt letzte Woche, dass sie diese seit ihrer Kindheit nicht mehr gegessen hatte. Ein ganzes Sammelsurium verschüttet geglaubter Kindheitserinnerungen müssen in diesem Augenblick zutage getreten sein.
Sonntag, 11. Mai 2014
Hai-Alarm am Fischbüffet
Jeden Tag fahren die Fischer aufs Meer hinaus und kehren mit dem zurück, was sich in ihren Netzen verheddert hat. Dafür gibt es immer genügend Abnehmer. Nur sonntags, wenn der Großmarkt geschlossen ist, fehlt es daran.
Wie wir inzwischen gelernt haben, lautet das maltesische Grundgesetz erfolgreichen Marketings, das mangelnder Nachfrage mit einem Event beizukommen ist. So gibt es jeden Sonntag den Fischmarkt in Marsaxlokk ganz im Süden der Insel, in einem Städtchen für das man extra das Wort "pittoresk" erfand.
Bereits um 7:00 Uhr geht es los, auch wenn die wenigsten um diese Zeit schon dabei sind. An der Straße rund um die Bucht von Marsaxlokk reiht sich Marktstand an Marktstand. In großen Metallschalen werden allerlei Tiere angeboten, die sich vor ein paar Stunden noch ahnungslos in dem keine zehn Meter entfernten Meer tummelten. Schnecken, Garnelen, Sardinien, Tintenfische, Rochen, Moränen, Mini-Haie und Schwertfische werden angeboten. Neben einigen mir unbekannten Arten gab es auch noch andere, die wir erst vor ein paar Wochen im Aquarium betrachten konnten: große Thunfische (die hier auch in Farmen gezüchtet werden) und Lachse, die ich eher weiter im Norden vermutet hätte. Eine Art Nationalfisch dürfte der Lampuki-Fisch sein, dessen Saison erst in den nächsten Wochen beginnt. Auf jeden Fall ist sein maltesischer Name um so vieles knuffiger, als unsere schnöde Bezeichnung Goldmakrele.
Der Markt zieht sich bis in die Mittagsstunden, wenn das sporadisch verteilte Eis zum Kühlen ohnehin geschmolzen ist und die Kühlkette und schon Stunden vorher riss, sollte man sich bewusst machen, dass es sich um fish to go handelt, der noch am gleichen Tag zubereitet werden will, sofern man selbst überhaupt geplant hat, Fisch zu essen.
Das schadet der allgemeinen Stimmung nicht, denn wie immer siedeln sich um die Fischhändler herum auch alle anderen Branchen an. Man kann also auch auf Süßigkeiten, Feinkost und Textilien, sowie Plastikspielzeig aus China zurück greifen.
Standort:
Malta
Freitag, 9. Mai 2014
Gehaltvolles Gehalt
Gerade erst wurde das Zehnjährige als Mitglied der EU gefeiert und seitdem Malta auch den Euro hat, sind die Verhältnisse nicht nur vergleichbarer, sondern auch der übrigen EU ähnlicher geworden.
Doch während es sich mit viel Geld überall gut leben lässt und Deutschland für Menschen mit wenig oder keinem Einkommen eine gute Basis bietet, kommt man in Malta mit einem mittleren Gehalt durchaus gut aus.
Das Thema Geld ist - neben dem Wetter - ein guter Grund, sich das Land mal genauer anzusehen. Die schlechte Nachricht zuerst: im Vergleich mit einigen anderen (EU-) Nationen liegt das Gehaltsniveau nicht besonders hoch. Das maltesische Durchschnittseinkommen liegt knapp unter 1.000 Euro im Monat. Die gute Nachricht: es lässt sich damit Leben und natürlich gibt es Ausnahmen.
Fachkräfte aus dem Ausland, vor allem Muttersprachler anderer Sprachen, um den Dienstleistungssektor der Kundenbetreuung auszubauen, werden mit etwas höheren Gehältern und Boni gelockt.
Daneben sind die Abgaben - im Vergleich mit bspw. Deutschland - dann eben auch geringer. Es gibt drei Steuerklassen (Single/Verheiratet/Eltern), die sich vor allem durch die Höhe der jährlichen Freibeträge unterscheiden. Danach werden 15% Einkommenssteuer fällig, die je nach Einkommen in vier Gruppen - bis auf 35% ansteigt. Die Sozialabgaben in Höhe von knapp 10% für die NI (national insurance) also die staatliche Versicherung deckt dann die Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung ab.
Nicht zu vergessen, noch paar kleine, vor allem symbolische Besonderheiten. Vier mal im Jahr gibt es zusätzlich zum Gehalt den staatlichen Bonus (governmental bonus). Mit insgesamt knapp 500 € pro Jahr ist das quasi das Dankeschön des Staates fürs Arbeiten gehen.
COLA ist ein Getränk und in Malta ist es außerdem der Cost Of Living Adjustment, eine Art Lebenshaltungskostenausgleich mit 3,49€ pro Woche in diesem Jahr, die es steuerfrei dazu gibt.
Mit einigen weiteren ausgeklügelten Konstruktionen wird es Personen, die schon sehr viel Geld haben oder es gerade verdienen, leicht gemacht den Wohnsitz hierher zu verlegen um noch einmal deutlich mehr an Abgaben zu sparen. Das gleiche gilt für die Industrie (vor
allem Dienstleistungsbereich) die überlegt, sich in Malta niederzulassen.
Lässt sich damit Staat machen? Die Staatsverschuldung liegt bei ca. 70% des BIP und ist damit niedriger als die Deutschlands!
Mittwoch, 7. Mai 2014
Blog-Buster
Wir sind nicht die einzigen, die über Malta bloggen. Leider bzw. ganz gut so.
Es gibt eine Menge mitzuteilen über dieses Land, seine Menschen und Sehenswürdigkeiten. Vor allem aber auch über seine Möglichkeiten und besonders gerne über seine Unmöglichkeiten.
Der Blog von Philipp Sauerborn ist genau genommen PR-Arbeit für den Standort (Wirtschafts-) Malta, für alle die noch eine Möglichkeit der Steuervermeidung, oder besser -optimierung suchen. Die Einträge kehren daher immer wieder dahin zurück, wie günstig es für Besserverdienende Angestellte und Unternehmer wäre in Malta zu leben und zu arbeiten. Als jemand der die Insel schon länger kennt, lassen sich von ihm trotzdem immer wieder interessante Details zu Land, Leuten, Sitten und Gebräuchen herauslesen und wer weiß, ob die wirtschaftlichen Vorteile eines Tages auch für uns interessant sein könnten.
Weniger informativ, dafür sehr belustigend ist die Gruppe Only In Malta, die sich leider auf Facebook befindet, aber auch ohne Mitgliedschaft abgerufen werden kann. Getreu des titelgebenden Mottos, findet man hier alles fotografisch festgehalten, bei dem sich am Kopf kratzte und tatsächlich dachte: Das gibt es nur hier!
Unter dem selben Schlagwort finden sich bei YouTube auch die entsprechenden Videos.
Um die wichtigsten Sachen nachschlagen zu können, existiert sogar ein Maltawiki.
Natürlich gibt es noch etliche weitere Blogs zum Thema, allerdings eher auf englisch und oft sehr allgemein gehalten. Wenn es noch Ergänzungen geben sollte, freuen wir uns auf Hinweise.
Samstag, 3. Mai 2014
Brandzeichen
Feuerwerke und kein Ende. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, bisher alles wichtige über Feuerwerke in Malta zu kennen und auch hier beschrieben zu haben. Doch dem ist wohl nicht so, denn bei mehr als 35 Feuerwerksherstellern und einer Tradition, die bis zum Malteserorden im 16. Jahrhundert zurückreicht, gibt es immer mal wieder Unbekanntes zu entdecken.
Diesmal gab es in Floriana, einem Vorort von Valletta, das Malta Mechanised Ground Firework Festival, was sich vielleicht noch am ehesten mit dem Festival der mechanisierten Bodenfeuerwerke, übersetzen lässt. Zwischen dem schnell verpufften Tischfeuerwerk und einem Spektakel in der Höhe, gibt es noch eine landestypische Spezialität, die zündet.
Mit einer einzigen Lunte wird diese launige Choreographie des farbenprächtigen Fackelns in Gang gesetzt. Doch es wird nicht in die Höhe geschossen, denn die Knallkörpern befinden sich auf drei bis vier Meter großen, stern- oder kreisförmigen Metallkonstruktionen die, einmal in Gang gesetzt, ein Eigenleben entwickeln. Über mehrere Minuten hinweg, brennen in sie verschiedene Farben und bewegen die Konstruktion aus sich heraus, was dazu führt, immer neue Figuren, Formen und Effekte entstehen.
Wer für die Geometrie brennt und möchte dass dieser Funke auch auf andere überspringt, ist hier vermutlich richtig.
Als Festival ausgelegt und als Wettbewerb veranstaltet, galt es einen Gewinner zu ermitteln, was das Volk per SMS und die Jury direkt übernahm. Die anspruchsvollen Gebilden werden in drei Kategorien bewertet:
- beste Mechanik
- beste Pyrotechnik
- Originalität in Design und Bewegung
Donnerstag, 1. Mai 2014
Bahn-Übergang
Um sich innerhalb Maltas fortzubewegen gibt es nur die Straße und die ist den Anforderungen oft nicht gewachsen. Das verwundert, denn wühlt man sich durch die Geschichte maltesischer Fortbewegung und schaut sich mit wachem Auge auf der Insel um, entdeckt man Spuren eines zweigleisigen Konzeptes.
Als Erfinder (George Stephenson & die Strecke Manchester - Liverpool) wurde der englische Exportschlager Eisenbahn in nahezu jeder Kolonie des Common Wealth etabliert. Selbstverständlich auch in Malta. Im Jahr 1883 wurde die Strecke von Valletta, der neuen Hauptstadt, nach Mdina, der alten Hauptstadt, eröffnet. Von den unterirdischen Bahnhöfen Valletta und Floriana war man innerhalb einer halben Stunde im Landesinneren, in Mdina. Wirklich erfolgreich, war die Bahn jedoch nicht und hatte von Beginn an mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, vielleicht weil die aufkommende weltweite Industrialisierung im Land ausblieb. Schon 1931 wurde der Betrieb einer maltesischen Eisenbahn endgültig wieder aufgegeben. Das hielt Mussolini jedoch nicht davon ab, nach einem Bombenangriff 1940, also neun Jahre später zu behaupten, er habe das maltesische Eisenbahnsystem zerstört.
Bis heute lassen sich die Bahnspuren in Form von Tunneln oder Hochbauten entdecken. Im Park von Birkikara steht sogar noch das ehemalige Bahnhofsgebäude in dem heute die Kita-Kinder darin möglicherweise "Schaffner und Schwarzfahrer" spielen.
In den letzten Jahren tauchten immer wieder Gerüchte bzw Meldungen auf, es gäbe Planungen für eine Monorail U-Bahn, womit man den Straßenverkehr entlasten und den Anschluss an die verkehrstechnische Neuzeit erreichen möchte.
Doch noch denkt beim Wort "Subway" wohl jeder hier an ein belegtes Brot...
Labels:
Architektur,
Bau,
Geschichte,
Technik,
Transport
Standort:
Mdina, Malta
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